Projektinhalt:

Im Forschungsvorhaben BaFA – Badezimmer für alle – werden Gestaltungskonzepte insbesondere für kleine Badezimmer erarbeitet, die eine komfortable, sichere und unterstützende Benutzung durch Benutzergruppen mit unterschiedlichen Anforderungen ermöglichen. Insbesondere die erhöhten Anforderungen von älteren Menschen an Platz, Zugänglichkeit, Sicherheit und Unterstützung werden ermittelt und bilden die Grundlage für die Ableitung von Planungsvorgaben und Umbauempfehlungen. Das Konzept des Badezimmers für alle beinhaltet einerseits, dass sich möglichst alle Benutzer unabhängig von ihren körperlichen Eigenschaften und Fähigkeiten sicher und komfortabel im Badezimmer bewegen können. Andererseits soll vermieden werden, dass die unterstützenden Funktionen und Eigenschaften des Badezimmers offen sichtbar sind und damit als stigmatisierend wahrgenommen werden. In dem Projekt sollen folgende Ziel erreicht werden:

  • Gestaltungskriterien für eine seniorengerechte Produktsprache
  • dreidimensionale maßliche Beschreibung von Funktionseinheiten je Hauptobjekt (z.B. Badewanne, WC oder Waschbecken)
  • Umsetzung in Beispielgrundrisse mit optimierter Anordnung der Funktionseinheiten insbesondere in kleinen Badezimmern mit 6 bis 8 m2
  • validierte Produktlösungen mit integrierten Unterstützungsfunktionen sowie zur multifunktionalen Raumnutzung

Im Rahmen des Forschungsvorhabens sind Interaktionsexperimente zum Messen der Bewegungs- und Zugangsräume, zur Problemanalyse und zur Ideengenerierung geplant. In diesen Experimenten werden räumliche Situationen in einer Testumgebung des WohnXperiums nachgebildet und Handlungen in Versuchsreihen mit Probaden nachgestellt. Für maßgebliche Benutzergruppen können aus Gründen der motorischen und kognitiven Belastung und wegen der möglichen Sicherheitsrisiken keine Probanden eingesetzt werden. Daher wird zur Simulation der altersbedingten Einschränkungen der Alterssimulationsanzug MAX eingesetzt. Der Anzug erlaubt graduell abgestufte Einschränkungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse: Mit dem Anzug können verschiedene Fähigkeiten (Sehen, Hören, Tasten, Gelenkbeweglichkeit, Kraft etc.) in jeweils drei Graden (wenig, mittel, stark) eingeschränkt werden. Die Einschränkungsgrade wurden aus über 200 wissenschaftlichen Studien abgeleitet. Mit dem Anzug lassen sich vor allem typische altersbedingte Einschränkungen der Altersklassen 50-60, 60-70 und 70-80 Jahre simulieren. Die Realitätsnähe der leichten Einschränkungen in der Altersgruppe 50-60 wurde im industriellen Kontext summarisch an Hand arbeitswissenschaftlichen Leistungsparametern wie Herzfrequenz, Tätigkeitszeiten und subjektiver Beanspruchungsbewertungen evaluiert. Durch zusätzliche Simulationsbrillen können auch krankheitsbedingte Seheinschränkungen dargestellt werden.

Der WohnXperium e.V. verantwortet in Projekt BaFA die Durchführung von Simulationen mit dem MAX. Diese werden in den Räumen des WohnXperium in Chemnitz durchgeführt. Auf einer der Testflächen werden mit Hilfe der leicht verschiebbaren Wandelemente und der Aussattungsobjekte aus Pappkarton, alle zu betrachtenden Badgrundrisse mit geringem Aufwand erzeugt. Die verschiedenen Anordnungen der Sanitärausstattung und anderer Ausstattungsobjekte wird dabei einfach und mit geringem Kraftaufwand vorgenommen. Durch die leichte Veränderbarkeit der Raumsituationen können direkt während der Probandenversuche Anpassungen vorgenommen und die Auswirkung auf die Handlungen der Probanden zeiteffizient ermittelt werden. Es ist auch möglich, mehrere Szenarien parallel aufzubauen und diese zusätzlich innerhalb des Versuchs leicht zu verändern. Damit kann in kurzer Zeit eine hohe Anzahl an Versuchen durchgeführt werden.

Laufzeit Projektpartner Fördermittelgeber
01. Februar 2019 – 31. Juli 2021 USEability LAB am IHD BMWI, Projektform INNO-KOM/MF